Im Gespräch mit…Richard Kortenbruck | Partworks

Autos sind heutzutage wirklich bequem. Sie sind mit allem erdenklichen Schnickschnack ausgestattet, komfortabel, gut gedämmt und verhältnismäßig sparsam. Aber wisst ihr was? Diese ganzen Dinge rücken komplett in den Hintergrund, wenn man in einem schönen Oldtimer sitzt. Wenn dieser Oldtimer dann auch noch von den Leuten aus Zuffenhausen gebaut wurden, dann ist die Welt ohnehin in Ordnung. Leider sind die Unterhaltskosten für alte Porsche relativ hoch, Ersatzteile sind rar. Zum Glück gibt es Partworks – eine Firma, die Ersatzteile für diese Schätzchen anbietet. Ich hab mich mit dem Gründer Richard unterhalten.

Hey Richard. Das Interview kam jetzt schneller als erwartet, aber wir haben ja schließlich auch noch was vor oder?

 Ja selbstverständlich, ich bin gespannt was du fragen willlst!

Deine Firma „partworks“ ist noch ein relativ junges Unternehmen. Wie lange gibt es euch und was macht ihr?

Das kann man wohl sagen, wobei ich selbst rund 10 Jahre im Porsche Ersatzteilgeschäft aktiv bin. Ok, meinen eigenen eBay Shop habe ich mit 14 gestartet, aber anfangs drehte sich alles um Mercedes Unimog Ersatzteile. Die Marke „partworks“ ist allerdings erst 2017 ins Leben gerufen worden. Manche kennen uns noch unter dem Namen WPO-Shop, den gab´s ab 2012. Das WPO (bzw WP0) stand für den Weltherstellercode von Porsche. Damit hab ich jetzt auch glaube ich schon recht eingegrenzt was wir machen. Es dreht sich also bei partworks um Porsche und Ersatzteile!

Wie hat das angefangen? 

Tjahaa, das hat mit der glorreichen Schnapsidee angefangen, dass ich mir als erstes Auto 2008 unbedingt einen alten Porsche 944 S2 kaufen musste. Vorher gab es bei mir noch gar nicht so die Affinität zu der Marke. Ich war eigentlich familiär auf den Stern getrimmt, wollte aber unbedingt etwas sportlicheres mit Heckantrieb aus den 80er/90er Jahren haben. Für BMW hatte ich damals noch nicht so viel übrig (wobei ein E30 M3 damals das gleiche Geld gekostet hätte) – auch ein Traumauto! Bei alten Alfas habe ich zu viel Karosseriearbeit gesehen und viele hübsche Alternativen (nach Möglichkeit „Made in Germany“) gab es dann auch gar nicht so. Und dann nahm das Thema so seinen Lauf, man arbeitet an dem Auto, beschäftigt sich mit der Technik und den Ersatzteilen und lernt so über die Jahre den Markt kennen. Dann hatte ich zwar durch ein duales Studium ein festes Einkommen, aber wenn gleich zwei von so einem Azubigehalt saufen, dann wird das schon knapp. Zu der Zeit bin ich dann im Winter Fahrrad gefahren und im Sommer Porsche. War irgendwie seltsam aber ich hatte halt bock auf ein schnelles Auto also musste das möglich gemacht werden. Und da war das Ersatzteilgeschäft dann eine gute Ergänzung. Eine andere Tätigkeit war seitens meines Ausbildungsbetriebs auch nicht geduldet. Wir sollten ja auch lieber tüchtig lernen!

Wird sich das Portfolio zukünftig auch auf andere Automarken erweitern?

 Ja. Im Grunde ist es das vereinzelt auch schon der Fall. Wir haben über das Porsche Teilegeschäft schon ein Netzwerk zu Herstellern die nicht nur auf Porsche fokussiert sind. Unsere „Mehrmarken-Kunden“ fragen schonmal nach, ob wir nicht auch etwas mehr für ihren W124 Mercedes, oder E30 BMW und Co anbieten können. Wir würden also Synergieeffekte nutzen und auch wenn Porsche schon das höchste der Gefühle ist, haben auch andere Autohersteller tolle Fahrzeuge gebaut. 

Hat sich Porsche nur aufgrund Deines ersten Autos ergeben oder ist das auch Deine Lieblingsautomarke?

Also wie gesagt, ich hatte vorher eigentlich keinerlei Berührungspunkte, weder zu der Marke noch zu den Autos. Der 944 mit dieser geilen, gutmütigen Fahrdynamik hat erst die Begeisterung zu Porsche geweckt. Und das für 6500€. Du kannst dir vorstellen was die Nachbarn gesagt haben. Die Kumpels, die zum 18. einen neuen Golf V mit 150PS für das dreifache Geld geschenkt bekommen haben, haben sich nicht ansatzweise so viel anhören müssen! Aber man sollte sich ja auch nicht von dem lenken lassen, was die anderen denken, oder?  

Ganz gewiss nicht. Sonst hätte ich wahrscheinlich auch keine drei Autos. Apropos: Klassische Frage unter Autoverstrahlten: Du darfst Dir drei Autos in die Garage stellen. Welche sind das?

Ein Blaues, ein schwarzes und ein silbernes! Und zwar als erstes einen Porsche 968 CS (Maritimblau) als einer der spannendsten Transaxle ever. Also du meinst drei insgesamt, oder? Nicht drei Spaßautos? Dann nämlich ein E-Klasse T-Modell als besten daily und je nachdem wie hoch die Garage ist entweder einen VW Camper Bulli oder einen Unimog U437 mit Kofferaufbau und einer KTM Vollcross Enduro hinten drauf :-D. Zweitakt ! MIT Kolbenfresser alle 200 Stunden! Aber ich glaube wenn du mich in drei Jahren nochmal fragst dann wird die Antwort auch abweichen…

Ich werde es mir merken. Was fährst Du momentan?

Ein schwarzes E-Klasse T-Modell als daily! Hmm, scheint ja doch als arbeite ich einen Plan ab… wie langweilig! 

Und Deine Mitarbeiter? Legen die auch viel wert auf ihren fahrbaren Untersatz oder ist das was sie tun einfach nur ein Job?

Nicht alle, aber wir haben von Golf 1 Cabrio, Simson, Langstrecken-Rennrad, T1-Bulli, Unimog 411 bis zum Elektroauto schon Abwechslung im Fuhrpark. Ich habe das große Glück ein Team zu haben, die in erster Linie Bock hat etwas Tolles aufzubauen. Und zwar ein schlankes, modernes Unternehmen, was Technologie und alte Tugenden vereint. Und natürlich hat jeder auch sein Traumauto im Kopf und wächst mit Begeisterung in die Oldtimer-Welt herein. Wir sind seit diesem Jahr auch mit der Fahrzeugrestauration angefangen um die Expertise und Produktnähe im Team auch bei den Szene-Fremden zu erhöhen. Bald wird hier wahrscheinlich jeder sein eigenes Auto aufgebaut haben.

Was findest Du besser: alte Autos oder neue? Nehmen wir an Du wirst vor die Wahl gestellt..Du bekommst entweder einen 911 G-Modell oder einen 991. Was nimmst Du?

Als Ingenieur müsst ich jetzt wahrscheinlich eher die neue Technik des 991 loben… Aber nene es muss schon das G-Modell mit dieser „ausgeklügelten“ Drehstabfederung sein. Am liebsten als unbeherrschbare 3.3L turbo Heckschleuder. Da merkt man, dass paradoxerweise analytisch, rational denkenden Schrauber in der Oldtimerwelt nun doch eher emotional entscheiden. Ein 991 oder RS6 flasht halt irgendwie nicht so… Vielleicht ab 3bar Ladedruck… Aber auch dann würde ich lieber den einen Super Seven nehmen.

Wo möchtest hin mit Deiner Firma? Was sind die Ziele für die nächsten Jahre?

Wir haben natürlich einen internen Geschäftsplan mit Meilensteinen und so weiter und der ist recht ambitioniert kann man sagen und ich bekomme das Kotzen wenn wir hinter diesem Plan liegen aber das ist für die Zuhörer oder Leser des Interviews glaube ich eher langweilig. Fest steht wir entwickeln uns mit viel Herzblut, stetiger Optimierung und viel Spaß bei der Arbeit weiter und man darf gespannt sein, was noch kommt. Unsere Unternehmensmission lautet „We help people to keep their bestie running and running and running“. Und als Käferschrauber erkennst du auch gleich die Anlehnung an die alte VW-Werbung. Was die Mission verdeutlichen soll, ist das wir nicht einfach irgendwelche Autoteile verkaufen wollen, sondern unser Fokus auf den seltenen und einzigartigen Teilen liegt. Auch wenn sich ein Blockierwerkzeug für den Porsche 944 deutlich schlechter verkauft als Bremsscheiben für dasselbe Modell, so ist der Kundennutzen durch unser Angebot höher als wenn wir der zwanzigste Anbieter der 944 Bremse werden. Aber genau das zeichnet uns aus und das schätzen unsere Kunden. Wir verkaufen einen Reparatursatz für die Porsche 968 Außentemperaturanzeige. Ein Produkt für ein Modell, von dem in Deutschland keine 2000 Exemplare mehr rumfahren… aus kommerzieller Sicht total dämlich dafür Teile zu produzieren. Das spiegelt aber sehr gut unsere Vision wieder. Die lautet „Be the most compelling car part supplier in order to gain excellence in efficiency.“ Wir wollen also keine Amazon/Hockeystick/Multimillionen-Entwicklung hinlegen, sondern wir wollen der effizienteste Lieferant mit den am meisten begeisternden Ersatzteilen werden. Lieber verkaufen wir ein qualitatives Tacho – Reparaturzahnrad für 22€ samt Einbauanleitung und Telefonservice als den zugehörigen Tacho für 500€. Unser Rohertrag ist dann zwar um ein vielfaches kleiner, aber die Kunden sind einfach begeistert, wenn sie selbst ihren Tacho retten können. Natürlich zerschießen wir dadurch unser eigenes Geschäft, aber das ist meiner Auffassung nach der richtige Weg für die Zukunft. Do it Yourself und reparier’s anstatt nur Teiletauscher zu sein.

Auch wenn es genug Menschen geben wird, die sich alte Porsche leisten können, stelle ich allgemein die Frage, was Du von Elektromobilität hälst.

Das ist ja genau das Thema mit der Nachhaltigkeit. Also zunächst sehe ich ebenfalls nicht, dass das eine das andere Ausschließt. Eher im Gegenteil. Die Autos, die es in Zukunft noch gibt, werden aus Begeisterung für Technik, Kultur und Stil gefahren. Und das sind vermutlich keine 991… Ich sehe da Analogien zu der Zeit als Autos Pferde abgelöst haben. Der Daily wird elektrisch beziehungsweise fällt er dank Uber und Carsharing bei vielen im urbanen Raum ganz weg. Und das ist gut so. Und damit erzielen wir auch den größten Nachhaltigkeitseffekt. Größtmöglicher Wirkungsgrad und höchstmögliche Auslastung. Mein Auto hat mit 35TKM/Jahr bei 60 Kmh Durchschnittstempo eine Auslastung von irgendwas um 7%… Die restlichen 93% seines Lebens steht dieses wertvolle, ausgeklügelte, technische Erzeugnis dumm rum… Bei den meisten Leuten sind es sogar nur 2-3% „Maschinenauslastung“. Das ist alle andere als wirtschaftlich und damit auch nicht ökologisch. Zudem wird gern vergessen, dass der Wirkungsgrad eines Verbrennungsmotors über sein typisches Lastkollektiv im PKW weit unter den oft benannten 25-35% liegt. Die hat der Motor ja nur irgendwo bei seinem optimalen Betriebspunkt. Im Alltags-Fahrprofil liegt der Wert also im einstelligen Prozentbereich und damit noch deutlich schlechter als ein Elektromotor. So, also wenn wir es technisch betrachten, braucht die Zukunft jene Autos mit höchstmöglicher Auslastung und dem Antriebskonzept des höchsten Wirkungsgrades. Und da kommt nichts an den Elektroantrieb ran. Und dann werden massive Einsparungen in Ressourcenverbräuchen und Umweltbelastungen (in Produktion, Nutzung UND Entsorgung) möglich sein. Und DANN, Philip, können wir beide uns auch guten Gewissens mehr Spaß-Autos für den Feierabend und den Sonntagsausflug hinstellen! Wenn wir also bald per Fahrgemeinschaft im Elektrosmart oder besser mit Fahrrad zur Arbeit fahren, können wir uns auch am Sonntag die Tour im 928 GTS mit 5,4L V8 gönnen. Aber NUR wenn wir den defekten Tacho REPARIEREN anstatt ihn neu zu kaufen!

Ich für meinen Teil sehe das ganze leider etwas emotionaler mit Hang zum Verbrennungsmotor. Aber mit Deiner Einstellung wirst Du deutlich weniger Herzschmerz in der Zukunft haben. Danke für Deine Zeit. Das war ja nicht das letzte Mal, dass wir miteinander zu tun hatten. Deswegen sage ich einfach „bis bald“.

Ich habe DIR zu danken! An dieser Stelle muss ich auch nochmal Deine Arbeit am Blog loben! Es ist unheimlich viel wert, wenn Leute wie Du sich in ein Themengebiet einarbeiten, und ihr wissen dann in solch einer Form anderen kostenlos, neutral und unvoreingenommen zur Verfügung stellen. So fake-Warentest-Webseiten gibt´s genug! Also weiter so und ja ich würde mich freuen, wenn wir uns noch öfter sprechen! cheeRS!

Hier findet ihr die Partworks-Seite: https://partworks.de/partworks-de/

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