Geschichtskurs: Die Entwicklung der Armaturen im Automobil

In einer Zeit, in dem das gute, alte Automobil immer mehr zum reinen Transportmittel verkommt und Emotionen, Leidenschaft und Faszination immer mehr entfallen, sollte man sich als Autofan eher an vergangene Zeiten erinnern, in denen der Mensch noch Zuneigung zu seinem Gefährt verspürte und nicht den Drang es zu verkaufen, weil es nicht umweltfreundlich genug war. An eine Zeit, in der man sich wirklich um das Fahren kümmern und dabei auf seine herrlich analogen Armaturen schauen konnte und nicht um die Musik lauter zu machen, sich in das fünfte Untermenü irgendeines komisch aufgebauten Multimediasystems touchen musste. Aber wie ist diese Entwicklung eigentlich gekommen? Nicht die zur automobilverachtenden Nation, sondern die von den herrlichen handgefertigten Rundinstrumenten zu so einem Quatsch wie Gestensteuerung. Hier ein kurzer Exkurs durch die Zeit von Anfang bis zum bitteren Ende:

Der deutsche Erfinder Carl Benz gilt als Erfinder des Automobils. Sein im Jahr 1886 patentiertes „Benz Patent-Motorwagen Nummer 1“ genanntes Motordreirad, war das erste Fortbewegungsmittel mit Verbrennungsmotor, welches auch in Serie gebaut wurde. Anfänglich stand selbstverständlich die Fortbewegung ganz im Mittelpunkt. Bewegte man sich bis zu diesem Zeitpunkt mit Kutschen, Pferden, Fahrrädern oder vergleichbaren Fortbewegungsmitteln vorwärts, wurden mit dem Auto vollkommen neue Möglichkeiten erschaffen. Zu diesem Zeitpunkt jedoch, war an Bequemlichkeiten, wie aus heutigen Fahrzeugen bekannt, noch lange nicht zu denken. Der Fokus lag auf der Perfektionierung der neuen Technologie Automobil. Jeglicher Komfort, wie ein Dach, Anzeigen oder Bedienelemente, wurden diesem Ziel anfänglich noch untergeordnet. Es gab eine Bank zum Sitzen, eine mit einer Kurbel verbundene Zahnstange zum Lenken, sowie einen Hebel zum Beschleunigen und Bremsen. Keine Frage, dass es hier noch Raum für Verbesserungen gab.

Benz Patent-Motorwagen Nummer 1

Mit der Zeit wurden diese auch eingeführt. Das lag nicht  zuletzt daran, dass es mit der Zeit unumgänglich wurde, einige Zusatzanzeigen in das Auto einzubauen. Gerade, weil sich immer mehr Menschen ein Auto kauften, oder dies vorhatten, mussten auch entsprechende Regeln für den Straßenverkehr erlassen werden. Die Verantwortung des Führens eines Fahrzeuges ließ sich nicht mehr mit dem Führen einer Kutsche vergleichen, da hier das Pferd ebenfalls noch eine Rolle spielt, das Auto jedoch stur die Befehle des Fahrzeugführers ausführt und zwar in jeder Situation.

Allerdings waren auch diese Autos noch weit von dem entfernt, was wir heute als „komfortabel“ bezeichnen. Der Mercedes-Simplex etwa, ein von 1902-1910 gebautes Fahrzeug, besaß bereits etwas, was man als Fahrgastzelle bezeichnen konnte. Die Sitzposition war zwar immer noch sehr luftig, allerdings konnte der Simplex bereits vier Räder, Licht und ein echtes Lenkrad aufweisen. Die Obliegenheit des Fahrers war aber keineswegs nur das Fahren an sich, sondern es war auch erforderlich, den Zündzeitpunkt während der Fahrt einzustellen sowie mit einer „Schmiertrompete“ genannten Armada an Pumpen das Fahrzeug selbst zu schmieren. Aus technischen Gründen folgten hier alsbald Thermometer und Füllstandanzeiger, um dem Fahrzeugführer seine Aufgaben zu erleichtern.

Ab diesem Zeitpunkt ging es dann Schlag auf Schlag. Um die Mensch-Maschine-Schnittstelle zur Informationsaufnahme und –übertragung weiter auszubauen, wurden bald diverse Anzeigen, wie eine Geschwindigkeitsanzeige, Pflicht.

Bis in die 50er Jahre hinein, kamen immer mehr Anzeigen, und Bedienelemente hinzu, die dem Fahrzeugführer nicht nur Informationen über den Zustand seines Fahrzeuges lieferten, sondern auch eine einfachere Bedienung möglich machten und den Fahrer so mehr Aufgabe des Fahrens überließen, welche über die Zeit auch immer angenehmer gemacht wurde. Beispielhaft hierfür ist etwa die Umstellung von manuell betätigten Scheibenwischern auf motorisch angetriebene.

Anzeigen in einer Corvette C1

In den 50ern war es schließlich soweit, dass die Fahrzeugnutzer Ansprüche über die einfache Bedienung des Fahrzeuges hinaus stellten, hin zu mehr Unterhaltung. Das Fahren selbst, war inzwischen so anspruchslos geworden und konnte so beiläufig ausgeführt werden, dass eine gewisse Langeweile Einzug hielt. So begann das Multimediazeitalter beim Automobil. Die ersten Radios wurden verbaut, was darauffolgend zu einer immer größeren Anzahl von Einzelgeräten führte, die das Fahrzeug bald zu mehr machten, als zu einem reinen Transportmittel.

Mit der zunehmenden Technologisierung, folgte aber bald auch ein großer Nachteil: Die Bedienung selbst wurde zu kompliziert, da für jede Funktion ein Schalter, Hebel oder Knopf gebraucht wurde. Im Jahr 2003 führte BMW mit dem sogenannten „i-Drive“ ein System ein, welches eine Vielzahl der Bedienelemente überflüssig machte. Die Idee hinter diesem System ist, dass es nur ein Bedienelement in Form eines Dreh-Drückstellers gibt, welches in Zusammenhang mit einem Anzeigeelement, einem Bildschirm, dem Fahrer erlaubt, durch verschiedene Menüs und Einstellungen des Fahrzeuges zu navigieren und diese auszuwählen. Inzwischen haben auch andere Hersteller ihre eigene Interpretation dieses Systems entwickelt. Bei Audi etwa gibt es das sogenannte MMI-System, bei Mercedes-Benz heißt es COMAND-System. Viele andere Hersteller, wie etwa Peugeot, verzichten nahezu komplett auf Knöpfe. Die Eingabe erfolgt hier über einen Touchscreen direkt auf das Anzeigeelement.

Innenraum einer modernen Mercedes E-Klasse

Eine weitere „Eskalationsstufe“ im Prozess der Eliminierung mechanischer Eingabeinstrumente, ist seit Jahren die Sprachsteuerung, die im Laufe der Zeit natürlich immer weiter perfektioniert wurde. In der neuen A-Klasse von Mercedes ist dieser Assisstent weltweit verknüpft, um von anderen Fahrzeugen mit identischem System lernen zu können. Somit fügt sich auch der allgemeine Sprachgebrauch automatisch in das System ein.

Deutlich neuer und noch in den Kinderschuhen, befindet sich das System der Gestensteuerung. Hierbei erfassen Sensoren und/oder Kameras im Fahrzeuginneren die Bewegungen des Fahrers im Gesamten oder nur in einem bestimmten Feld. Bei BMW etwa, beschränkt sich dieses auf einen Bereich vor dem Multimediabildschirm. Hier können mit dem Finger oder der ganzen Hand unterschiedliche Bewegungen ausgeführt werden, die Einfluss auf Musiklautstärke, Titelauswahl, Anrufe und vieles mehr haben. Eine zu einhundert Prozent zuverlässige Erkennung aller Gesten, ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht möglich.

Anmerkung: Die hier gezeigten Bilder sind nicht von mir. Die Quellen sind wie immer in der Bildbeschreibung hinterlegt.

2 Kommentare zu „Geschichtskurs: Die Entwicklung der Armaturen im Automobil

Schreibe eine Antwort zu Fabian Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s