Bis zu welchem Kilometerstand sollte ich ein Auto kaufen?

Der Preis eines Gebrauchtwagens wird von vielen Faktoren beeinflusst. Da wären die Motorisierung, die Ausstattung, das Alter, der allgemeine Pflegezustand und natürlich auch die Laufleistung. Aber ist ein Auto mit 200.000 Kilometern auf dem Tacho wirklich schlechter als eines mit 50.000?

Für alle unter euch, die nicht gerne lesen sage ich schon am Anfang: „Nein!“ Denn Kilometer sind nicht gleich Kilometer. Fangen wir mal damit an, auf was die Laufleistung alles einen negativen Einfluss haben könnte. Zum einen, klar, die Innenausstattung. Je mehr Kilometer mit dem Auto zurückgelegt wurden, desto mehr Zeit haben die Vorbesitzer gezwungenermaßen darin verbracht. Je mehr Zeit sie im Auto verbracht haben, desto durchgesessener ist der Sitz, desto abgegriffener ist das Lenkrad und desto muffiger ist der Geruch. Das ist die Regel, es gibt aber auch Ausnahmen. Ein gut gepflegtes und immer sauber gehaltenes Auto kann bei einer hohen Laufleistung weniger Verschleißerscheinungen im Innenraum aufweisen als eines, welches nur einen Bruchteil der Kilometer von einem Schlindrian bewegt wurde. Auch die Einstiege und die Sitzwangen sind bei einem Langstreckenauto meist in einem besseren Zustand als bei einem vergleichbaren Fahrzeug, welches immer nur kurze Strecken bewegt wurde, da es eine außerordentlich wichtige Rolle spielt, wie oft in das Auto ein- oder ausgestiegen wurde.

Punkt Zwei ist jedem bekannt und ist der Hauptgrund dafür, warum viele Menschen vor einem Auto mit hoher Laufleistung zurückschrecken – die Technik. Doch auch hier ist Kilometer nicht gleich Kilometer. Denn was sorgt bei einem Motor in erster Linie denn für den Verschleiß? Das sind die Phasen, in denen der Motor noch kalt ist, das Öl noch dick und die Massen unwillig. Wenn das Öl die richtige Viskosität erreicht hat und alles top geschmiert ist, halten sich Abnutzung und daraus resultierende Schäden extrem in Grenzen – auch bei sportlicher Fahrweise. Das bedeutet, dass ein Auto, welches wenige Kaltlaufphasen hat, auch weniger Verschleiß aufweist. Sprich ein Langstreckenauto mit 200.000km ist besser als eines mit 50.000km, was sein ganzes Leben nichts anderes gesehen hat, als die Fahrt zum Bäcker, zur Arbeit, zur Tankstelle und zum Einkaufen. Und wenn jetzt noch regelmäßig eine Inspektion gemacht wird, Filter, Betriebsflüssigkeiten und Verschleißteile kontrolliert und ersetzt werden, dann ist das mehr als die halbe Miete.

Meinen E91 325D kaufte ich mit 170.000km – jetzt hat er knapp 280.000 und das Einzige, was ersetzt werden musste, war eine Glühkerze

Wenn jetzt noch vor einem Kauf darauf geachtet wird, was Kinderkrankheiten am Wunschmodell sind, bei welchen Kilometerständen sie auftreten und ob sie beim konkreten Objekt der Begierde bereits ausgetauscht wurden, hat man ein durchrepariertes Auto für wenig Geld mit fantastischen Aussichten auf sorgenfreies Fahren. Natürlich kommen irgendwann Dinge am Fahrwerk, da auf den Verfall dieser nun mal relativ wenig Einfluss hat, ob sie längere Zeit am Stück oder nur kurz bewegt wurden. Irgendeinen Tod stirbt man aber immer. Und das Geld was dafür draufgeht, hat man doppelt und dreifach vorher beim Kauf gespart.

Fassen wir zusammen: beim Autokauf sind Kilometer in der Regel zweitrangig. Vielmehr sollte auf die Kilometer im Zusammenhang zum Alter geachtet werden, um ermitteln zu können, ob es sich um ein Lang- oder ein Kurzstreckenfahrzeug handelt. Zudem ist der Pflegezustand und die Wartungshistorie ganz entscheidend. Denn das Geld, was man für ein paar Kilometer weniger verschwendet, sollte man lieber in ein lückenloses Scheckheft investieren. Und falls der Innenraum doch etwas muffig riechen sollte, sind garantiert auch noch ein paar Euro für den Aufbereiter übrig. Oft kann man sich sogar ein bisschen höher ins Regal greifen und sich mal was gönnen, wenn man breit ist, einen 6-stelligen Kilometerstand in Kauf zu nehmen. Ich habe bis jetzt nur ein Auto gekauft, welches unter 100.000km hatte – und mit diesem hatte ich nur Ärger. Vielleicht war es Zufall, vielleicht aber auch die Kurzstrecke, die die Vorbesitzerin ausschließlich fuhr.

2 Kommentare zu „Bis zu welchem Kilometerstand sollte ich ein Auto kaufen?

  1. Das erste Auto war von vielen Personen oftmals ein Gebrauchtwagen, so auch bei mir. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es eine sehr weise Entscheidung gewesen ist, sich mit der Anschaffung eines Neuwagens Zeit zu lassen. Es war sehr hilfreich, mich von einem Autohändler mit dem Fachwissen ausgiebig beraten lassen zu haben, wodurch es mir wesentlich einfacher fiel, abzuwägen, welche Anschaffung denn nun erst einmal am vorteilhaftesten ist.

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