Was macht eine Kurbelgehäuseentlüftung?

Es gibt unheimlich viele Bauteile in einem Verbrennungsmotor, die wichtig sind. Kleine Federn, diverse Lager und und und. Wenige dieser Teile sind so prominent, wie Turbolader, Kolben oder Pleul. Vielleicht ist aus diesem Grund das Wissen um die Aufgabe dieser Teile bei vielen Leuten auch nicht in großem Umfang vorhanden. Ein Kandidat hierbei ist zweifellos die Kurbelgehäuseentlüftung. Letztendlich ist das nur ein Plastikteil, was im Motorraum rumhängt. Wozu ist das denn da?

Um diese Frage zu beantworten, gehen wir kurz zum Anfang des Problems. Ein Verbrennungsmotor ist am Ende nichts anderes, als eine Kolbenmaschine mit geschlossenem Kurbelgehäuse. Und in diesem entsteht Druck. Diesen Druck, oder besser gesagt die Gase, die für diesen verantwortlich sind, bezeichnet man als Blow-by-Gase. Warum? Ganz einfach: Diese Gase entstehen in erster Linie nicht direkt im Kurbelgehäuse, sondern „wandern“ dorthin. Das kann durch drei Möglichkeiten geschehen. Zum ersten durch den Arbeitsdruck im Brennraum, von dem sich ein kleiner Teil an den Kolbenringen vorbei quetschen kann. Zum zweiten durch die Ölrückführleitung des Turboladers und wenn´s blöd läuft, durch eine defekte Ventildichtung eines Auslassventils.

So, jetzt haben wir jede Menge Dampf im Kessel, der da nicht sein sollte. Denn der Druck will ja irgendwann irgendwohin und das geht dann im Regelfall nicht gut für Dichtungen, Bauteile oder Lager aus. Aus dem Grund muss er da weg. Dafür gibt es die Kurbelgehäuseentlüftung. Fertig? Heutzutage nicht mehr. Vor 60 oder 70 Jahren hat man das Problem durch einen kleinen Schlauch gelöst und damit hatte sich die Sache dann eigentlich auch gegessen. Aber seid geraumer Zeit macht man sich mehr Gedanken darum, die Umwelt zu schonen und auch die Ressourcen. Und der Druck zischt ja nicht alleine ab.

Es verhält sich eher wie bei einer Limoflasche mit viel Kohlensäure. Macht man den Deckel auf, kommt neben der „Luft“ auch ein bisschen Limo mit. So ist das auch bei der KGE. Sobald der Druck entweicht, zieht er Ölnebel und kleine Tröpfchen mit sich ins Freie. Nicht gut für die Abgaswerte, wenn das Zeug mit verbrannt wird, genausowenig wie für den Ölverbrauch.

Die KGE an meinem 325d E91. Der Schlauch führt zurück vor den Turbolader.

Damit ist das Ausmaß unseres Problems aber noch nicht erfasst. Denn bei der Verbrennung unseres geliebten, fossilen Brennstoffs, entsteht auch eine nicht unerhebliche Menge Wasser. Und dieses sollte nach Möglichkeit nicht wieder mit dem Öl in die Ölwanne zurück. Demzufolge wird das Wasser in der Regel direkt dem Ansaugtrakt als Gas/Wasserdampf zugeführt, zusammen mit den Blow-by-Gasen, während das Öl durch eine separate Leitung zurückgeführt wird in den Ölsumpf.

Bei Saugmotoren ist das Ganze übrigens deutlich einfacher, als bei modernen Turbomotoren. Denn bei Saugern konnte man einfach den Unterdruck aus dem Ansaugtrakt nutzen, um die Gase aus dem Kurbelgehäuse rauszuziehen. Bei den heutigen, aufgeladenen Motoren stellt sich die Sache schwieriger dar, weil der Motor ja nicht mehr saugt, sondern zwangsbeatmet wird. Daher nutzt man kompliziertere Systeme, bei denen vor und hinter dem Turbolader eine Einleitungsstelle verbaut wird, inklusive Ölabschneider und Rückschlagventil. Im folgenden Video wird das Ganze auch noch einmal recht anschaulich erklärt.

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