Porsche Cayman

Porsche…die Krone der deutschen Automobilbaukunst…wenn nicht die der Globalen. In den meisten Tests kommt das, zumindest sinngemäß, so rüber. Es gibt kaum einen Vergleich, in dem ein Porsche nicht gewinnt und die Ingenieure aus Zuffenhausen nicht wieder einmal einen verdammt guten Job gemacht haben. Es sind nur sehr wenige Ausnahmen, in denen Fabrikate anderer Hersteller diesen Fahrzeugen wirklich Konkurrenz machen können. Das geschieht dann sowieso meistens aufgrund von einer Tatsache: dem Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn auch wenn ein Porsche, wie man hört, ein fantastisches Auto sein soll und zwar jeder, ist er andererseits vor allem eines: teuer.

Umso besser, dass ich vor kurzem auch einmal die Gelegenheit hatte eine Runde zu drehen. Zwar nicht mit dem Klassiker schlechthin, dem 911, aber immerhin mit dem Porsche Cayman. Mit einem Neupreis von 80000€ (Testfahrzeug) und 275PS Leistungs-, sowie Preistechnisch noch am unteren Ende der Produktpalette angesiedelt, gehört er dennoch, wie ich schnell feststellen durfte, zu einem ernstzunehmenden und sehr emotionalen Sportwagen.

Fangen wir außen an:
Der meiner Meinung nach schönste Porsche ist deutlich schärfer gezeichnet als sein Vorgänger. Während die Front noch deutliche Ähnlichkeit hat, distanziert sich das Heck umso mehr von den doch relativ weichen, organischen Formen der vorangegangenen Generation. Das ist den Designern vor allem durch eine scharfe Linie gelungen, die an der Außenkante der Rücklichter ansetzt und sich über das Heck als kleiner Spoiler, bis zum anderen Rücklicht zieht. Der Auspuff hingegen sitzt wie beim Vorgänger mittig in der Schürze.
Die großen Lufteinlässe hinter den Türen versorgen den 2.7 l großen Sechszylinder-Boxermotor mit Frischluft. Wie bei jedem Porsche-Sportwagen sitzt der Tankdeckel vorne und das Zündschloss links vom Lenkrad.

Zündschloss heißt wir sind jetzt also innen angekommen. Der Cayman bietet eine, für mich, perfekte Ergonomie. Griffige, gut konturierte Sportsitze mit jeder Menge Seitenhalt, ohne unbequem zu sein. Selbst längere Reisen könnte ich mir damit vorstellen. Dass das möglich ist, bestätigt auch mein Bekannter, der ohne das geringste Zwicken im Rücken rund 550km gefahren ist. Und das mit einem Durchschnittsverbrauch von 7 Litern ohne zu schleichen. Der Grund dafür ist vor allem das PDK-Getriebe, dem wir uns jetzt, während des Innenraumchecks, nur in Form des Schalthebels widmen, der aus der schräg nach oben verlaufenden Mittelkonsole herausragt. Schön gestylt und hochwertig verarbeitet, wie der ganze Innenraum. Mehr lässt sich dazu nicht sagen. Hinter dem griffigen Lenkrad befinden sich drei Rundinstrumente. In der Mitte ein riesiger Drehzahlmesser mit Gang-Anzeige, links davon, etwas kleiner, der Tacho und rechts davon ein Display mit allen nötigen Informationen, die man braucht. Diverse Temperaturen und -Drücke, die Navikarte und vieles mehr ist abrufbar.

Genug der trockenen Theorie. Ein Porsche wird zum fahren gebaut. Ich stecke also den Schlüssel, der die Form eines Caymans hat ins Zündschloss und drehe ihn. Ein kurzes Anlassersirren, dann erwacht der Boxermotor mit einem heiseren Bellen, die Nadel des Drehzahlmessers bleibt auf knapp zweitausend Umdrehungen hängen. Nanu?-Denke ich. Das ist zwar ein Sportwagen, aber eine Leerlaufdrehzahl, die nur knapp Unterhalb eines GT3-Renners liegt, ist des Guten doch zu viel. Ich trete einmal aufs Gas, verzögerungsfrei kreischt der 6-Zylinder noch einmal auf, bevor die Leerlaufdrehzahl auf knapp eintausend Umdrehungen sinkt und sich das typische, mechanische Mahlen einstellt, was einen Porsche-Boxer seit jeher ausmacht.

Ich stelle den Wählhebel auf „D“ und fahre los. Mein Plan steht fest. Warm fahren durch die Stadt, Querdynamik testen über Land und Längsdynamik testen auf der Autobahn. Ein Hoch auf Zonen ohne Geschwindigkeitsbeschränkung.

Schon auf den ersten Metern stelle ich fest, dass Porsche tatsächlich ganz besondere Fahrzeuge baut. Ich verschmelze mit dem Fahrzeug. Gasannahme, Bremsdruck, Lenkkräfte, selbst die Kraft, die ich aufwende, um den Blinkerhebel nach unten oder oben zu schieben. Alles ist perfekt. Trotz der heutigen Anforderungen in Sachen Komfort und Fahrbarkeit hat es Porsche geschafft, ein relativ pures Auto zu bauen. Ich möchte noch einmal daran erinnern: Wir befinden uns am unteren Ende der Porsche-Nahrungskette.
Das alles klingt nach einem Fazit. Doch so weit sind wir noch lange nicht.

Da der Kleine noch kalt ist, drehe ich Ihn nur bis 2500 Umdrehungen. Bei einer Maximaldrehzahl von etwa 8000, finde ich das angemessen. Aber schon hier röhrt er los. Die Auspuffanlage vom Cayman S hat sich wirklich gelohnt. Jetzt kommen wir zum Getriebe. Da bisher nur sein Wählhebel dran war, ist es jetzt ganz wild darauf, sich gut zu präsentieren. Und das tut es – und wie. Wenn ich mir Augen und Ohren zuhalten würde, würde ich die Schaltvorgänge gar nicht mitbekommen, die bei gemütlicher Gangart vorherrschen. Das Getriebe wechselt nicht nur unmerklich, sondern auch verzögerungsfrei und absolut perfekt die Gänge. Auch ein Zug an der Wippe wird ohne Verzögerung umgesetzt. Man hat fast das Gefühl, dass das Auto ahnt wann ich schalten möchte. Alles nicht zu vergleichen mit einem DSG-Getriebe aus dem Mutterkonzern VW.

Endlich aus der Stadt raus und endlich warm. Das hat ziemlich lange gedauert, um ehrlich zu sein. Dafür, dass der Mittelmotor so gut eingepackt ist braucht er seine Zeit, um das Öl auf Temperatur zu bringen. Sei´s drum. Wenn man einmal in einem Porsche sitzt möchte man auch Spaß haben und nicht nörgeln.
Ich drücke den Sport Knopf. Das Getriebe schaltet zwei Gänge zurück und 4000 Umdrehungen liegen an. Da die Straße vor mir erfreulich leer ist, geb ich Gas. Der Motor spricht jetzt noch spitzer auf jede Bewegung des Fußes auf dem Gaspedal an. Er dreht sämig hoch und jeder Schaltvorgang, welcher nun auch deutlich ruckartiger ausfällt, wird von einer Art „wumms“ begleitet. Zusammen mit der fantastischen Kurvenlage und dem tollen Klangbild stellt sich langsam aber sicher das perfekte Fahrgefühl ein und der Spruch „Freude am Fahren“ gilt nicht nur für den Träger dieses Werbespruchs. Eine weite Links-Rechts-Passage bergab liegt vor mir. Ich kann alles einsehen und da niemand sonst auf der Straße ist, kann ich Sie auch voll ausnutzen. Obwohl ich weiß, dass, wenn ich Ihn schrotte, wahrscheinlich eine Niere verkaufen müsste, um Ihn zu bezahlen, vermittelt er so viel Vertrauen, dass ich dennoch pfeilschnell unterwegs bin.
Ich kann hier zugeben, dass der Porsche wesentlich schneller könnte als ich. Er liegt tatsächlich wie das sprichwörtliche Brett. Ich kann mir hierbei wirklich nicht vorstellen welchen Speed man nun mit einem GT4, geschweige denn einem Porsche GT3 oder gar GT3 RS gehen könnte. Selbst den kleinen Cayman kann man nur auf der Rennstrecke voll ausfahren.
Vor mir taucht ein 7er auf. Er bremst und blinkt rechts. Da keine Abbiegung zu sehen ist, will er wohl, dass ich vorbei fahre. Ich tue ihm den Gefallen, indem ich zwei Gänge zurück schalte und an ihm vorbei ziehe. Ich blicke in den Rückspiegel. Ein nach oben ausgestreckter Daumen ist zu sehen. Schön, dass ich nicht der Einzige bin, der an diesem Auto Spaß hat. Ab geht´s ins nächste Geschlängel…das könnte ich ewig machen.

Nach dieser Kurvenorgie stehe ich nun an der Autobahnauffahrt und warte darauf, dass Grün wird. Der Porsche boxert gemütlich vor sich hin. Ich schaue in den Rückspiegel. Ziemlich dicht steht ein BMW hinter mir. Ein E92. Der will doch nicht…? Der will anscheinend doch. Ok. Also nochmal: Sportmodus an, Getriebe und Motor scharf gestellt.
Es wird grün. Ich fahre die Auffahrt hinter einem Laster hinauf, schaue schon auf der Auffahrt die Autobahn entlang. „Das geht locker!“, denke ich, wechsle sofort auf die Linke von drei Spuren und trete drauf. Deutlich schneller als mein eigenes Auto aber eben doch nicht so schnell, wie ich feststelle. Ab 180 wird er zusehends müde. Der BMW, der zuvor von diversen Lastern aufgehalten wurde kommt schnell näher. Ich mache Platz. Verloren..bringt jetzt auch nix. Als er vorbei fliegt sehe ich zwei Auspuffrohre, eins auf jeder Seite. Ein 335i..alles klar. Biturbo, 306PS…ne Wumme halt. Die Motorleistung meines Porsche ist etwas zu knapp bemessen. Habe ich vorher schon festgestellt, weiß ich jetzt umso besser. Vor allem, wenn mir ein locker 20000€ günstigerer BMW auf der Autobahn um die Ohren fährt. Tja, wenn man auf der Geraden auch schneller sein will als alle anderen, muss man im Hause Porsche eben noch einmal deutlich mehr Geld in die Hand nehmen.
Egal, ich widme mich nochmal „meinem“ Porsche. Im 6. Gang läuft er soeben 252 km/h. Vielmehr ist gerade nicht drin, obwohl er Spitze wohl um die 270 geht. Ich drücke abermals auf den Sport-Knopf. Der Porsche wird wieder entschärft, das Getriebe schaltet in den Siebten. Ein reiner Schongang. Die Tachonadel senkt sich. Macht nix. Hab sowieso nur noch zwei Kilometer bis zur Ausfahrt. Auf dem Weg nach Hause genieße ich noch einmal den grandiosen Sound. Angekommen mach ich Ihn aus und stelle fest: „Ich will auch so´n Ding!“

Fazit:

Ob jeder Porsche ein nahezu perfektes Automobil ist, vermag ich nicht zu sagen. Allerdings nehme ich es nach dieser Fahrt stark an, da der Cayman schließlich keines der Topmodelle ist und trotzdem, zumindest in meinen Augen, alles richtig gemacht hat, was er richtig machen konnte. Natürlich ist wie bei jedem Sportwagen Platz Mangelware und Restkomfort ist eben nur RESTkomfort. Aber es ist nun einmal ein Sportwagen und für die Ansprüche, die heute an ein Automobil gestellt werden, hat er für diese Art Autos genau den richtigen Kompromiss gefunden. (vllt fehlt noch etwas mehr Leistung)
Dass es am Ende meiner Runde übrigens keine 7, sondern 13,3l waren, ist auch zu verschmerzen. Ich wurde dafür schließlich mehr als entschädigt.

Anmerkung:

Die hier gezeigten Bilder sind nicht von mir. Eine Quelle ist hinterlegt

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